Sonntag, 6. Mai 2012

Synchron


Bild: http://infratix.de/synchronisation

Einer meiner Kunden besitzt ein Notebook mit Windows XP. Unlängst kaufte er sich eines mit Windows 7 dazu. Er wünschte, die Eigenen Dateien in XP mit der Bibliothek in Windows 7 abzugleichen: Der Bestand der Dateien, die der Kunde besass, täglich neu hervorbrachte und durch seine Geschäftstätigkeit änderte, sollte in beiden Computern synchronisiert werden mit dem Ziel, in beiden Maschinen identische Datenbestände herzustellen. Da beide Computer über einen Internetzugang verfügen, liegt die Idee nahe, über das Internet abzugleichen.

Die Lösung, alle Dateien automatisch synchronisieren zu lassen, fand ich auf Dropbox.com. Dieser unabhängige Synchronisations-Dienstleister ist seit Jahren bekannt, beschränkt sich nicht auf Office-Dateien und verfügt über eine wohltuend einfache Bedienoberfläche. Ich versuchte es zuerst mit meinem grossen Musikarchiv, das ich fortan auch auf dem Smartphone nutzen kann. Da nur 2 GB kostenlos sind, löste ich ein Abo für 50 GB Speicherplatz, das jährlich 99 Dollar kostet. Dropbox bedient Windows, Android, iOs, Linux gleichermassen; die Dateigrösse ist nicht beschränkt. Bilder und Filme lassen sich streamen, ohne sie herunterzuladen. Die abgestufte Freigabe für Einzelpersonen, Gruppen oder Öffentlichkeit funktioniert hervorragend. Dropbox nimmt es mit Sicherheit und Privacy ernst. Dateien werden nicht ausgewertet, insbesondere nicht für Werbezwecke. So gesehen, ist der Erfolg, den Dropbox seit Jahren geniesst, nachvollziehbar. Es ist die ultimative Lösung der Synchronisationsfrage.

Gestern erhielt ich eine Mail von Google+, ich könne ab sofort Google Drive nutzen. Ich war verblüfft, denn ich suchte in Google Docs vergeblich nach einem automatisch synchronisierenden Ordner. Man muss sich bei Google Drive als Interessent anmelden, die Zulassung wird offensichtlich dosiert. In der Tat, Google Drive ist Dropbox sehr ähnlich, doch läuft es bei mir - im Gegensatz zur Dropbox - noch nicht ganz fehlerfrei.

Weitere Synchronisationsabieter in der Cloud sind: Amazon Cloud Drive, Box Net, Drop Box, iCloud, iDrive Sync, Microsoft Sky Drive, Mozy, SugarSync, Ubuntu One, YouSendIt.

Eine vergleichende Diskussion dieser Dienste bietet:
http://gizmodo.com/5828035/the-best-way-to-store-stuff-in-the-cloud#88510221,
ferner der Tages-Anzeiger
http://www.tagesanzeiger.ch/digital/internet/Was-Sie-bei-der-DatenWolke-beachten-muessen/story/27900685
und die NZZ
http://www.nzz.ch/nachrichten/digital/microsoft-skydrive-google-drive-gdrive-dropbox_1.16604819.html.

Dienstag, 27. März 2012

Popper


Obgleich er es nicht mehr selber erleben konnte, hat der Philosoph Karl Popper das Internet gedanklich antizipiert. Er unterschied bereits in den Siebzigerjahren die Welt 1 der materiellen Objekte von der Welt 2 der seelischen Zustände der Menschen und beides wiederum von der Welt 3, der Summe aller geistigen Errungenschaften. Diese umfasst Kunst, Sprachen, Wissenschaft, Technologie, Theologie, Philosophie, Theorien, Pläne, kurzum alles, was je gedacht, konstruiert und niedergeschrieben wurde. Sobald diese Beiträge der subjektiven Welt 2 ihrer Urheber entsprungen sind, besitzen sie ihre eigene objektive Existenz. Alles, was einmal gedacht wurde, ist nicht mehr aus der Welt zu schaffen. Selbst wenn der Mensch verschwände, würden die Primzahlen noch existieren! Popper sagte, vielleicht hundertmal würde der Computer, ein typischer Gegenstand der Welt 3, unsere Leistungsfähigkeit als Denkende erhöhen, und er fügte hinzu, dass mit verbesserten Computern diesem Faktor keine obere Grenze gesetzt sei. Er ahnte wohl kaum, wie wahr er sprach, als 10 Jahre später die Vernetzung der Computer im WWW anhob, womit sich die Entwicklung der Welt 3 explosiv beschleunigte und damit Tatsachen geschaffen wurden, die niemand voraussehen konnte. Ist nicht die Vertreibung menschenverachtender Potentaten ein solcher Fakt? Oder der beschleunigte Impakt globaler Finanzkrisen? Oder die Zerbröselung erstarrter Dogmen in der Energieversorgung? Oder die Marginalisierung der Religionen? In Bezug auf ICT (information and communication technology) im Schulunterricht werden die Möglichkeiten und Auswirkungen bei uns derzeit heiss diskutiert. Ein persönlicher Tablet-PC mit Internet in der Hand jedes/r Lernenden ist in der Zurich International School bereits Realität. Last-not-least bestätigt der kuriose Wahlsieg der Piratenpartei im Saarland Karl Poppers Weitsicht. Es wird, wie ich es 1997 in einer meiner ersten Kilchberger Kolumnen schrieb, kein Stein auf dem andern bleiben.

Sonntag, 18. März 2012

Wikimedia


Im Wikipedia wuchert und wabert es, unverschämt lebendig. Ob in Kilchberg oder Kirchlindach, überall und immerdar steht Ihnen das wundersame Wissens-Warenhaus mit prallvollen Regalen weit offen. Kommen Sie, schauen Sie, bedienen Sie sich! Sie brauchen kein dickes Ende auf dem Kassenzettel zu fürchten. Sie haben ja – mit Flatrate – schon alles vorausbezahlt. So hat etwa Wikipedia, Ort des Nachdenkens und des Lernens, die Abteilung Wikimedia hervorgebracht, in dem ich – immer auf der Suche nach Gratismusik – auf berauschenden Ohrenschmaus gestossen bin. Wikimedia, genauer Wikimedia Commons, ist eine Sammlung von 10 Millionen Bildern, Videos, Tondateien und Musik. Die Gründer dieses Medienarchivs stellen sich eine Welt vor, in der das gesamte Wissen der Menschheit jedem frei zugänglich ist, auch frei für gewerbliche Nutzung! 320'000 Seitenaufrufe pro Stunde sind es derzeit, und es werden immer mehr. Der Informationshunger der Welt ist unersättlich. Wikimedia Commons ist die grösste freie Mediensammlung im Internet und das zentrale Medienarchiv aller Wikimedia-Projekte, von denen Wikipedia das bekannteste ist. Dem kostenlosen Credo entsprechend werden ausschliesslich nicht-patentierte Dateiformate verwendet. Das sind für Audio-Dateien: MIDI und Ogg-Vorbis, für Video-Dateien: Ogg-Theora. Man hört sie am besten mit dem VLC-Mediaplayer. Während ich schreibe, füllt sich mein neuer Musikordner \BrassBandDixies mit ogg-Dateien, die ich nachher mit dem CDBurnerXP auf CD-R brenne, um die Musik zu spielen auf einer B&O-Musikanlage, die noch vor dem Internet angeschafft wurde. Zu Schubert finde ich 109 Ogg-Dateien von beträchtlicher Qualität. Präzise Quellenangaben und Benutzerlisten führen über Wikimedia hinaus zu gehaltvollen Informationen, Notenmaterial und weiteren Musikdateien für den Klassik-Liebhaber.

Donnerstag, 9. Februar 2012

Lichtgeschwindigkeit


Lichtquanten sind schnell: Mit c = 299’792 km/s Geschwindigkeit breiten sie sich im Weltall aus. Siebeneinhalb Mal können sie pro Sekunde um die Erde rasen. In Glasfaserkabeln ist die Lichtgeschwindigkeit etwa ein Drittel kleiner. Wird ein solches Kabel auf der Erdoberfläche verlegt, lässt sich jeder Punkt binnen einer Zehntelsekunde erreichen. Schneller lassen sich Nachrichten nicht vermitteln. Im Internet dauert es noch länger, da die Wege im Netz über mehrere Server laufen, die ihre je eigenen Reaktionszeiten haben. Eine Börseninformation zwischen Zürich und Tokio kann gut und gerne drei Zehntelsekunden benötigen. Durch immer schnellere Reaktionen wollen die Händler Vorteile wahrnehmen. Die Maxime „Zeit ist Geld“ führte in den Finanzmärkten zu einem technologischen IT-Wettrüsten im Dienste des Hochfrequenzhandels, wie man das nennt. Wenige Cents Gewinnvorteil scheinen zwar wenig; aber tausend Mal pro Sekunde bringt das in jeder Minute tausend Dollar oder mehr. Das Volumen der so abgewickelten Geschäfte wird auf viele Milliarden Dollar geschätzt. Marktinformation, Auftrag, Bestätigung, dreimal eilt die Botschaft hin und her. Datenzentren entscheiden, ob eine Transaktion zustande kommt. Es handeln optimierte Algorithmen. Händler bestimmen deren Parameter und beobachten Reaktionen in den Charts. Liegt ein Datenzentrum X exakt zwischen zwei Börsen A und B, sind die Latenzen zeitgleich. Die kleinste Differenz der Marktabbildung in A und B kann ausgenützt und abgesahnt werden. Das sind reine Geldmaschinen ohne Wertschöpfung. Wenn die Uhren in A und B auseinander laufen, kassiert der Dark-Pool-Broker in X, es springen die Charts und die Märkte kollabieren. Flash-Crash nennt man diese sekundenschnelle Verwerfung. Jedem Physiker ist klar, dass solches Tun die Stabilität untergräbt und reale Werte vernichtet. Politische Dämpfungsabsichten werden im Keim erstickt. Verlierer waren vor kurzem Sparer, Rentner, Anlagefonds, heute sind es Banken, Währungen und Staaten. Bald crasht die alte Welt – mit Lichtgeschwindigkeit!

Freitag, 20. Januar 2012

Android


Androiden sind menschenähnliche Roboter, mit Bezug auf die Gestalt und mit menschenähnlichem Verhalten. Unsere Vorfahren haben noch geschummelt und den Homunkulus hineingepackt, heute übernehmen eine Milliarde Transistoren und Software diesen Dienst. 2005 kaufte Google eine kleine Firma namens Android, die Software für Mobiltelefone entwickelte und dazu standortbezogene Dienste berücksichtigte. 2007 gab Google bekannt, daraus ein quelloffenes Mobiltelefon-Betriebssystem namens Android zu entwickeln. Im Nu war eine Allianz geschmiedet und seit 2008 ist Android offiziell verfügbar. Als erstes Gerät mit Android als Betriebssystem kam in den USA das HTC Dream mit einer herausschiebbaren Tastatur auf den Markt. Dass bereits dieses erste Gerät auf das Global Positioning System zugreifen konnte und mit Bewegungssensoren ausgestattet war, gehörte zum Konzept von Android. Menschenähnlich sind mithin die Sinnesfunktionen. Dazu gehören die geographische Orientierungsfunktion sowie Beschleunigungs-Sensoren. Bald wurden diskrete Tasten durch den Touch-Screen dargeboten. Hinzu kamen die Gesten für die menschliche Hand: tippen, schieben, schubsen, langes drücken, Gesten mit zwei Fingern, schütteln des Geräts und neigen in allen Richtungen oder Doppeltipp. Da arbeiten auch die Augen mit, etwa wenn die Umlaute nach längerem drücken erscheinen oder wenn das Wörterbuch Vorschläge macht. Damit nicht genug, Android leiht Ihnen gar sein Ohr: Was auf dem PC nicht funktionierte, können Sie jetzt brauchen. Ihr Wort wird vom Google Übersetzungsserver augenblicklich in Maschinentext übertragen. Und da es noch 23 Millionen Menschen machen, lernt dieser Server rasch hinzu. Schon wissen viele Smartphone-Benützer nicht mehr, wann sie das letzte Mal einen Suchbegriff oder ein SMS eingetippt haben. Oder ich spreche hinein und der Android spricht mit eigener Stimme in der Zielsprache aus, was ich sagen wollte. Das ist so unglaublich, dass ich noch eine gewisse Scheu habe, es im Dialog mit Menschen zu benützen.

Donnerstag, 27. Oktober 2011

Vom Dreibein zum Smartphone


Samsung Galaxy S II - mein Smartphone

Unsere Generation ist Zeuge einer beispiellosen Epoche. Informatik überzieht die Welt wie eine neue Haut. So wie die Haut funktionell das vielseitigste Organ des menschlichen oder tierischen Organismus ist, dient auch die Informatik der Abgrenzung von Innen und Außen, dem Schutz vor Umwelteinflüssen, der Repräsentation, Kommunikation und Wahrung des Homöostase (Wikipedia). Als Kinder hätten wir uns das gewiss nicht vorgestellt. In meiner Lehre durfte ich die Dreibeine (Transistoren) kennen lernen, kleinste Verstärker bzw. Schalteinheiten, die man heute als Atome der Informatik begreifen kann. Mein philosophisch angehauchter Lehrmeister schimpfte über sie, denn er liebte die geheimnisvoll glimmenden Elektronenröhren über alles, die schon wegen ihrer Grösse eine Informatik niemals ermöglicht hätten. Er hatte wohl eine dumpfe Ahnung davon, was da auf uns zurollte! Das Grösste am Transistor waren die drei Anschlussdrähte, die man schon bald ausmerzte, indem man auf einem Millimeter Silizium Transistor direkt an Transistor reihte und mittels im Vakuum aufgedampfter Leitungspläne integrierte.

Ich durfte als Lehrling eine elektronische Orgel noch mit Röhren bauen, dann eine dreimanualige mit Transistoren. Bis zu meinem Physik-Studienabschluss standen immer komplexere Funktionseinheiten zur Verfügung, die etwa zählen oder addieren konnten, oder die in Verbindung mit Messwandlern die Umwelt in die binäre Impulssprache der Informatik übersetzten. In der Rekrutenschule hantierten wir am neuen Flugzeug Mirage III, das nebst Transistoren auch noch fingerhutgrosse Elektronenröhren enthielt. Es war meine Begegnung mit Servosteuerungen, denn diesen Flieger konnte man mit Muskelkraft und menschlichem Reaktionsvermögen nicht mehr fliegen. Wir wurden damals auch Zeugen einer Entwicklungsrichtung, die Elektronen durch Wasser ersetzte, den in Plastic gefrästen Fluidics, die ebenfalls zu intelligenten Steuerungen zusammengebaut werden konnten. Wir stritten über die Frage, welche Technologie das Rennen wohl machen werde.

1970 wurde es still um die wasserbetriebenen Logikbausteine, den Fluidics. Zwischen Aussenwelt und Pilot entfalteten sich die Elektronen-Rechner ebenso raffiniert wie handgestrickt. Die Mirage war das ideale Lernobjekt, weil noch alles durchschaubar war und weil hier ein sanfter Fingerdruck einem tonnenschweren Luftdruck parieren konnte. Trotz Kanonen und Bombenschächten in diesen Flugapparaten, die das politische Motiv ihrer teuren Beschaffung waren, waren wir natürlich begeistert!

In den späten Siebzigerjahren war man so weit, bist zu zehntausend Transistoren in einen Chip zu integrieren, der Mikroprozessor war geboren. Damals schied sich die Informatikwelt in Motorola 6800, woraus die Mac-Computer entstanden und die Intel 8080-Linie, die dem späteren PC den Boden bereitete. Das wesentliche Gestaltungsmittel war von nun an das Programm. Wir programmierten die Prozessoren direkt in ihrer Maschinensprache. Wir lernten denken wie diese Winzlinge, und es machte uns Spass, deren Potenz in Anwendungen auszuloten. Eine solche Maschine registrierte den Pfiff einer Orgelpfeife und zerlegte den Klang in seine Obertöne, deren Anteile sich zeitlich veränderten, was die Lebendigkeit dieses Klanges ausmacht. Davon lieferte die Maschine nach Minuten Rechenzeit den Plot auf einem Blatt Papier. So lernten wir spielerisch verstehen, wie der Computer „denkt“. In einer weiteren Diplomarbeit, die ich 1977 am Institut für Technische Physik der ETH betreute, spielte das Klavier übrigens bald von selbst, weil der rasante Mikroprozessor das Spiel des Pianisten im Takt von Millisekunden codierte. Dieser „Midi-Code“ erlaubte es, in einem zweiten Lauf die Tasten ebenso flink und genau mit Zugmagneten zu bewegen. Jahre vor deren weltweiten Verbreitung durch Yamaha erfanden wir das Disklavier ebenso wie den Midi-Code, ohne den die Popmusiker nicht auskommen, wenn sie mit zwei, drei Musikern ein ganzes Orchester erklingen lassen wollen. Danach wurden die Rechner-Chips immer komplexer, man sprach von Computer-Architektur, der Aufbau der Schaltungen glich Stadtplänen, die Integration umfasste Hunderttausend Transistoren oder mehr. Zu Beginn der Achtzigerjahre tauchten damit die ersten Personalcomputer in den Büros auf. Sie arbeiteten mit 16Bit-Wörtern, von denen jedes 64'000 Zustände unterscheiden kann, dies mit 10 Millionen logischen Operationen pro Sekunde. Damit liessen sich Schreibmaschinen mit Autokorrektur bauen und Filme auf Bildschirmen präsentieren. Der Boden für den Siegeszug des Internet wurde gelegt, dessen Teilnehmer seit 1993 an solchen PCs hocken. Heute sind im Internet eine Milliarde Hosts, wie man die Schnittstellen zu seinen Benützern auch nennt.

Der geniale Entwickler Steven Jobs, auch als Apple-Prediger bekannt, begründete mit seinen Ideen in den letzten Jahren den iKult (iPod, iPad, iPhone, iTunes) und „bestimmt nicht nur, was wir kaufen, sondern auch, wie wir leben“ – nämlich mit einem flachen Kästchen vor der Nase, das uns mit allen erdenklichen Informationen, Musik vom Apple Server und Bildern immerdar und sekundenschnell aufklärt und beglückt. Man mag dazu stehen, wie man will, aber die Welt, vor allem die Jugend, ist dem iKult verfallen. Gut, dass es immer mehr Alternativen gibt, denn es gefällt uns nicht, unser ganzes Leben nach dem merkantilen iPrediger auszurichten. Jedenfalls ist der Wettbewerb über das geeignetste Medium zwischen Aussen und Innen, im Zugriff des Menschen auf ein allwissendes Informations-Universum, voll entbrannt. Die Chips, die heute dazu benutzt werden, besitzen etwa eine Milliarde Transistoren, und sie arbeiten mit 64Bit-Wörtern, von denen jedes 18 Trillionen Zustände ausdrücken kann. Die ungeheure Vielfalt dieser Welt liegt im Smartphone in Ihrer Hand. Dieses Potential kann nur von der Kreativität der ganzen Menschheit ausgeschöpft werden. Wohin es die Menschheit führt, ist noch nicht absehbar. Nebst vielen Fortschritten in technologischen Bereichen sind leider auch grosse Probleme aufgetaucht, allen voran die immer bedrohlicheren Instabilitäten in der Finanzwirtschaft, die ganz direkt durch den Siegeszug des Dreibeins ermöglicht und verursacht sind. Bei mir überwiegt die Freude darüber, dass ich an dieser historisch beispiellosen Entwicklung teilnehmen durfte, von Anfang an, und dass ich sie weiterhin mit wachem Auge verfolgen und in meiner Nische etwas mitgestalten darf.

Donnerstag, 14. Juli 2011

Watt ihr Volt

Schema der Hochspannungsfreileitungen der Schweiz (Bild Swissgrid)

Energie steht im Zentrum der politischen Diskussion. Denn es steht ein ungeheurer Wandel an. Die verschlafene Gutgläubigkeit, die wir den Energiekonzernen entgegenbrachten, ist nicht mehr angemessen. Dass Alpiq, Axpo, BKW – und allen voran Tepco.jp – für die Versorgung mit elektrischer Energie schon sorgen werden, wird zunehmend hinterfragt [--> vgl. die Einschätzung des Physikers Sebastian Pflugbeil im Beobachter]. Auch den Schalmeien von BP mit ihrem Dreck, Tamoil mit ihrem Chef und anderen Oel-Trusts können wir nicht mehr vertrauen. Wie weiland der Computer im Kinderzimmer Einzug hielt, kümmert sich heute Papa um energiesparenden Wärmepumpen und Mama um energiefressenden Wäschetumbler. Bald wird sich jeder Dachdecker mit Fotovoltaik und mancher Banker mit der Reichweite der Autobatterie seines Tesla-Sportcoupés beschäftigen müssen. Doch Hand aufs Herz: Sind wir nicht alle mit Watt und Volt und Milliamperstunden mehr oder weniger überfordert? Wer sich nicht auskennt, kann aber nicht mitbestimmen. Die zwei Löcher der Steckdose sind zwar die wunderbarste Energiequelle, doch warum braucht es eigentlich drei? Elektrizität ist doch für breite Kreise eine Energie mit sieben Siegeln, und dennoch muss die Bevölkerung das Heft in die Hand nehmen, denn der Strom, den wir bisher von den Konzernen bezogen, wird bald umgekehrt fliessen müssen, irgendwo hin, wo er gerade gebraucht wird, von unseren Dächern und Windrädern zurück ins Stromleitungsnetz. Dessen Betreiberin Swissgrid bringt es auf den Punkt: "Ohne Netzausbau kein Atomausstieg." Um mit zu denken und mitreden zu können, kann es nicht schaden, etwas Sekundarschul-Physik aufzufrischen. Es schärft unseren Verstand für das, was auf uns zu kommt.

Stellen Sie sich den Strom wie Wasser in der Leitung vor. Wieviel Wasser pro Sekunde aus der Leitung fliesst wird in Ampere gemessen. Dem Druck in der Wasserleitung entspricht die elektrische Spannung. Sie wird in Volt gemessen. Wenn es am Brunnenrohr spritzt, ist der Druck hoch, wenn es dort nur tröpfelt, ist der Druck niedrig – Alltagserfahrungen. Wenn man die Spannung verdoppelt, verdoppelt sich an der Steckdose auch der Strom. Wenn wir am Brunnen den Hahnen fast zudrehen, kann auch bei hohen Druck (230 Volt) nicht viel Wasser fliessen. Wir haben es dann mit einem sparsamen Verbraucher zu tun.

Der Rasensprenger spritzt am stärksten, wenn der Druck hoch und der Hahnen offen ist. Volt x Ampere = Voltampere = Watt, so berechnet sich die elektrische Leistung, also die pro Zeiteinheit verbrauchte Elektrizität. Wenn ein Tausend Watt-Zimmerofen eine Stunde lang arbeitet, dann ist diese Arbeitsmenge eine Kilowattstunde (kWh). Der Ofen wandelt sie völlig in Wärme um. 1kWh kostet etwa 20 Rappen. Es gibt keinen energiesparenden Ofen, denn die Wärme entspricht exakt dem angelieferten Strom. Anders bei Lampen, diese erzeugen Licht und Wärme. Moderne Energiesparlampen erzeugen fast keine Wärme mehr, die elektrische Leistung wird fast ohne Wärmeverlust in Licht umgewandelt. Deshalb kann heute eine 10 Watt-Lampe sehr hell sein, früher gab die 10 Watt Glühlampe nur ein schummriges Licht und man musste stattdessen eine 100 Watt Lampe nehmen.

Batterien tragen die Bezeichnung Amperestunden. Gute Taschenlampenbatterien liefern drei Ampere während einer Stunde, oder 0.3 Ampere während 10 Stunden. Man kann einfach ausrechnen, wie lange die Lampe brennt. Wenn man am Birli 300mA (=0.3 Ampere) abliest und dieses für 3 Volt gebaut wurde, benötigen wir in der Stabtaschenlampe zwei 1.5 Volt Batterien, und die Lampe wird damit 10 Stunden lang brennen.

So einfach sind diese Rechnungen. Nun verstehen Sie auch die Megawatt eines Kraftwerks besser und können die Fläche der für Ihr Elektroauto benötigen Solarpanels auf Ihrem Dach ausrechnen. Ein guter Tumbler benötigt gemäss www.topten.ch 0.3 kWh Strom pro Kilo Wäsche, also 2 kWh pro Maschinenladung (6-7 kg). Das kostet also etwa 40 Rappen Strom. Wenn täglich die Wäsche einer Million Tumblerladungen getrocknet werden in der Schweiz sind das 2000 Megawattstunden Energie. Das KKW Mühleberg produzierte 8000 MWh in 24 Stunden. Würden alle die Wäsche aufhängen statt zu tumblern, könnte man bereits ein Viertel Mühleberg einsparen. Rechnen Sie es selber nach. Nun kann Ihnen niemand mehr Watt ihr Volt vormachen!