| Prof. Dr. Thomas Stocker spricht für die Glarner Klimajugend, Film zu dieser Veranstaltung am 21. August 2019. (Bild Bruno Fricker) |
Mythen erheben Anspruch auf Geltung
für die von ihnen behauptete Wahrheit (Wikipedia). Viele Politiker sind sich
heute einig, dass Kohlendioxid das ultimativ böse Gas ist. Dabei ist der Anteil
CO2 in der Atmosphäre nur etwa 0.04 Vol%. Jedwede CO2-Quelle, sofern sie
menschlicher Einflussnahme entspringt, muss sofort abgestellt werden, verlangen
sie. Dabei beträgt der menschengemachte Anteil an CO2 nur 0.001 Vol%. Dieser
Hunderttausendstel also macht unsere Hitzesommer (obgleich Temperaturmittelwerte
massiv
manipuliert wurden), sorgt für das Abtauen der Polkappen (jedoch das
Meereis am Südpol wächst)
und Gletscher (ausser einer in Grönland),
hebt den Meeresspiegel an (ausser eine absinkende tektonische Platte ist Ursache)
und sorgt für gewaltige Stürme und Trockenheit (Tornados
scheinen in den USA seit 1950 abzunehmen). Ergo: Null menschengemachtes CO2 muss in die
Tat umgesetzt werden, andernfalls droht der Untergang unserer Zivilisation in
einer nie da gewesenen globalen Klimakatastrophe. Ich übertreibe nicht, die
Grünen denken so. Und sie wähnen sich damit auf sicherem wissenschaftlichem Grund,
durch das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) und durch unsere
Berner Forscher vom Oeschger Zentrum für Klimaforschung OCCR. Hier sind 250(!)
akademische Mitarbeiter beschäftigt plus 10 Gastprofessoren aus aller Welt. Der
Einfluss dieses Zentrums muss schon rein zahlenmässig übermächtig sein, zumal für
die kommende Generation, und für die Welt, da diese Leute massgebende Sitze im IPCC
innehaben. Ist dort die Brutstätte für den Mythos des bösen Gases? Nur die
Treibhaus-Gemüsebauern können das CO2 noch schätzen; sie fluten ihre
Treibhäuser mit der vierfachen Menge des atmosphärischen Kohlendioxids. Das scheint
pflanzliches Wachstum wie Dünger zu stimulieren. Doch diese Treibhaus-Pflanzen
sind unter Glas oder Folie. Nun schreiben die vielen Forscher im Kanon seit
Jahren vom Treibhaus-Effekt am offenen Himmel, als würde da oben die Wärme der
Sonne unter einem CO2-Deckel eingesammelt. Diese Mär, die schon in unseren
Schulbüchern illustriert eingepaukt wurde, erwies sich als unhaltbar.
Hier eine Zusammenfassung der IPCC-Vorhersagen im Laufe der Zeit:
Im Dunstkreis des voll ausgebildeten
Mythos ist es jedoch schwierig, einzelnen Wortführern Volksverhetzung nachzuweisen.
Auch mein verehrter Physikprofessor,
Jean-Pierre Blaser (†29.8.2019), ärgert sich in seinem letzten grossen Vortrag
an der ETH darüber. Es ist alles viel komplizierter. Irgendwo in den gewaltigen
Klimaberichten, die das IPCC herausgibt, ist ganz versteckt richtig zu lesen:
In der
Klimaforschung und -modellierung müssen wir erkennen, dass wir es mit einem
gekoppelten nichtlinearen
chaotischen System zu tun haben, und dass daher eine langfristige Vorhersage
zukünftiger Klimazustände nicht möglich ist. –
Also kann doch das hunderttausendstel Kohlendioxid, das wir in Kürze auf
„netto.null“ herunterfahren wollen, nie und nimmer eine Garantie dafür sein,
dass wir damit das Klima „retten“. Zumal viele Länder sich dafür nicht
einspannen lassen, sondern Wohlstand anstreben wie bei uns. Und wenn wir 2050
tatsächlich unseren CO2-Ausstoss in der Schweiz nullen könnten, was würde das
nützen? Landfläche Schweiz/Welt: Dieser Beitrag wäre höchstens 0.1 Promille von
diesem notwendigen Hunderttausendstel. Und wie läuft es in Deutschland, wo
demnächst auch das letzte klimaneutralen AKW abgeschaltet wird? Hier steht,
mangels Wasserkraft, eine Kompensation mit Gas- und Kohlekraftwerken bevor, in
einem Ausmass, dass man nach Auswegen sucht und sie in der Verpressung der
Abgase in 800 Meter Tiefe zu finden hofft. Diese sogenannte CO2-Sequestrierung
ist aber eine Langzeit-Bombe, da Flüchtig-Gas-Lager lecken, im Gegensatz zu den
radioaktiven Tiefenlager für langlebige festgepackte Nuklide. Kurzum: Statt
Abbau steht fast überall eine Zunahme des menschengemachten Kohlendioxids bevor!
Das Klima lässt sich überhaupt nicht retten. Unser Einfluss ist viel zu
schwach. Klimaschutz
geht nicht. Das Klima ist weit komplexer als unsere Schulbuch-Modelle. Das
Klima ist ein gewaltiges oberirdisches und marines System, das unerhörte
Energiemengen aus Sonne und Erdkern umwälzt, und das sich durch Tipping-Points,
Hysteresen und extrem lange Verweildauern von Jahrhunderten für CO2 in der
Atmosphäre auszeichnet. Umweltschutz geht sehr wohl, dieser beginnt in unseren
eigenen vier Wänden. Was folgt daraus? Kluge Anpassung ist das Gebot der
Stunde, wenn wir in bedrohlicher Lage diesem tatsächlichen Klimawandel widerstehen
wollen. Das aber braucht Energie, insbesondere viel elektrische Energie, wie
sie unsere Stauseen und unsere AKWs seit Jahrzehnten zuverlässig an die
Steckdose liefern, auch im Winter und nachts. Auf keinen Fall dürfen wir unsere bewährte Grundversorgung 70% Wasserkraft
und 30% Kernenergie preisgeben! Aber wir haben uns politisch genau in diese
Zwickmühle hinein manövriert, indem wir die Erneuerung unserer AKWs verboten
haben (Energiegesetz vom 30. September 2016, Volksabstimmung vom 21. Mai 2017).
Noch in diesem Herbst 2019 wird das AKW-Mühleberg ersatzlos abgeschaltet. In
Art. 12a des Kernenergiegesetzes heisst es seither „Rahmenbewilligungen für die Erstellung von Kernkraftwerken dürfen
nicht erteilt werden“. Leider wird es noch eine Weile dauern, bis die
Mehrheit in unserem Land erkennen wird, dass wir hier den Ast absägen, auf welchem
wir sitzen.
Ein Musterbeispiel, wie der
menschliche Einfluss auf das Klima als wissenschaftliche Tatsache hochgepokert
wird, lieferte Raphael Neukom vom Oeschger Zentrum kürzlich in NATURE:
sein Artikel „No evidence for globally coherent warm and
cold periods over the preindustrial Common Era“. Diese Studie hat es schlagartig
in die populäre Weltpresse und in die Schweizer Haupt-Tagesschau
geschafft. Sie wird dort meist umgekehrt kolportiert: „Nur in der industriellen
Epoche hat sich das Klima weltweit kohärent erwärmt.“ Hohe Kohärenz wäre in der
Tat eine starke Eigenschaft, die zwingend auf eine gemeinsame Ursache hinweist.
Sie ist unabhängig von der Stärke der Temperaturzunahme; dass diese überall
gemeinsam verläuft, ist im Kern die spektakuläre neue Botschaft. Das hat vorher
noch niemand auf den Punkt gebracht. Ich kenne die numerische Kohärenzfunktion
von ihrer Anwendung in der Epilepsie- und Schlafforschung gut. Dort findet man damit
den gemeinsamen Pacemaker, von welchem sich die Erregung ausbreitet. Das Hirn
ist in seiner Komplexität durchaus vergleichbar mit der irdischen Atmosphäre. Wäre
ja toll, dachte ich, wenn man das globalen Klimanetz (5x5-Winkelgrad-Raumraster
in 51 Jahren Zeitepochen) mit der Kohärenzfunktion räumlich-zeitlich auf einen
gemeinsamen Pacemaker hin untersuchen könnte, mit und ohne anthropogenen
Einfluss. Ich kaufte den Artikel bei NATURE und war sogleich enttäuscht. Da
steht noch im Textblock auf der ersten Seite versteckt in Klammer, dass
nicht die mathematische Kohärenzfunktion, sondern ein trivialer Kohärenzbegriff
gemeint ist, dem jedwede Beliebigkeit anhaftet! Die Beliebigkeit zeigt sich in
der Vielfalt zusammengewürfelter statistischer Methoden für den Nachweis dieser
prä-industriellen Nicht-Kohärenz. Ganz am Schluss der Studie kommt noch als
Amen das Bekenntnis, dass doch nur der Mensch und seine Industrie dieser
gemeinsame Pacemaker sein könne. Da ist keine Spur von selbstkritischer
Diskussion, welche gemeinsame Ursache denn noch in Betracht käme, um den
Temperatursprung in der industriellen Epoche zu erklären. Ein zeitliches Zusammentreffen
ist noch lange keine Ursache. Korrelation und Kausalität sind nicht dasselbe! Es
ist jedoch klar, dass diese Autoren von A bis Z nur auf diesen spektakulären
"Beweis der anthropogenen Ursache" hin gearbeitet haben, und die
PR-Maschine des Oeschger-Zentrums kann diese Resultate lukrativ für sich verbuchen.
U.a. mit diesem publizistischen Wirtshaus-Schild-Trick „Kohärenz“, bei dem jede(r)
Naturwissenschafter(in) erwacht und hinschaut, alimentiert sich das
Oeschger-Zentrum, mit seinen 250 wissenschaftliche Mitarbeitern (und 10
Gastprofessoren). Ich bin kein Klimaskeptiker und sehe den Wandel des Klimas auch.
Aber ich bin zutiefst unsicher, was ich von der gegenwärtigen klimawissenschaftspolitischen
Propaganda der Schweiz noch halten soll, denn die wichtigste klimapolitische Staatsaufgabe,
genug elektrische Band-Energie im Land zu haben, bleibt aussen vor. Man will
das heisse Eisen AKW einfach nicht anpacken.
So kam es, dass noch ein Mythos – Atomangst – die Klimadiskussion höchst
irrational befeuert, in unserem Land, genauso wie in Deutschland. Die damalige
Bundesrätin Leuthard ist nach Fukushima leider in diese Falle getappt. Erstaunlicherweise
will niemand wahrhaben, dass im Westen durch den Betrieb von Atomkraftwerken
noch niemand zu Tode verstrahlt wurde. Mehr als sieben Jahre nach der Katastrophe
in Fukushima hat Japan einen einzigen Strahlentoten offiziell bestätigt. Etwa
18‘500 Menschen starben oder verschwanden aber im Erdbeben und im Tsunami. Im
krassen Gegensatz dazu haben die Betreiber von Kohlekraftwerken durch
Luftverschmutzung schon viele Tausende Tote auf dem Gewissen. Radioaktive
Kohlekraftwerke notabene, die alle abgestellt werden müssten, wenn sie der
Nukleargesetzgebung unterstünden. Doch diese gilt nur für Kernkraftwerke. Der
unabhängige Chemiker, Mediziner und Biophysiker James Lovelock begründete 1979
mit seinem Buch „Gaia: A new Look on Life and Earth“ die grüne Bewegung. Heute
stösst er die Grünen vor den Kopf, indem er bereits in drei Büchern feststellt,
nur durch die Nutzung von Atomenergie könnten die Menschen sich vor der
gefährlichen Unbill des Klimas retten.
Einen Mythos zu dekonstruieren und gegen
den anderen auszuspielen, scheint das Gebot der Stunde zu sein. Wir müssen die
Atomangst überwinden, um den Klimaschwankungen zu widerstehen. In China geht in
diesem Jahr ein wirklich eigensicherer Uranreaktor vom Typ HTR-PM
in Betrieb. Der chinesische Chef
dieses Projekts hat die Grundlagen dafür als Postdoc in Jülich-D gelernt.
Ähnliche Beispiele
gibt es auch im PSI, wo die erfahrenen Experten in den Ruhestand gehen und
ausschliesslich Chinesen mit diesem Wissen nach China gehen, in das führende staatliche
Institut für Kernenergie. Sogar Schweizer Experten zeigen sich
eigenartig mutlos und sprechen von einer „Sauerei“, wenn es um die Trennung von
radioaktivem Müll geht, wo unter schnellem Neutronenbeschuss langlebige Nuklide
in relativ kurzlebige umgewandelt würden. Das Lagerproblem würde sich durch
diese Transmutation deutlich entschärfen, da Endlager nur noch auf einige Hundert
Jahre ausgelegt werden müssten. Die „Sauerei“ scheint den Chinesen weniger
Kopfzerbrechen zu bereiten, denn sie haben einen neuartigen chemischen
Weg gefunden, um die betreffenden Isotope sauber zu trennen. Man
spricht von einem Durchbruch und wird die Technologie in den Brennstoffzyklus
modernster Reaktoren einbauen, wodurch sich auch deren Abfallmenge massiv verkleinert.
In der Schweiz nimmt das niemand zur Kenntnis. Über neue
Atomkraftwerk-Technologie zu sprechen ist in der Öffentlichkeit tabu. Bei ProClim,
dem Forum für Klimawandel, das zwischen Politik und Wissenschaft in der Schweiz
vermittelt, kommt der Begriff Kernenergie überhaupt nicht mehr vor.
Lässt sich unser Handeln in der
Klimawende wissenschaftlich fundieren? Zumindest wird es in der Schweiz mit grossem
Aufwand versucht. Es ist zu hoffen, dass dies bei uns die richtigen
Früchte trägt. Wissenschaft ist nur, was sich falsifizieren lässt.
Werden die Events jedoch zu einer endlosen Serie selbstbestätigender
Verkündigungen immer gleicher Ideen einer Handvoll Super-Meinungsmachern unter
dem Applaus grüner Politiker, die nach „Massnahmen“ rufen, aber ausser
Flugticketzuschlag und Benzinabgabe keine Ideen haben, dann ist Vorsicht
geboten. Leider werden erst unsere Urenkel dereinst genau wissen, ob die heutigen Mythen CO2 und Atomangst Hand und
Fuss hatten. Die Klimaforscher haben ja nur ihre programmierten Computerspiele,
virtuelle Modelle, mit denen sie die Zukunft antizipieren und die Politik auf
Trab bringen. Mit dem Treibhauseffekt durch Kohlendioxid lässt sich die Erde mit
der Bestätigung Zeit, viel Zeit! Und ein sehr erfahrener Physiker sagte mir
kürzlich, die irrationale Atomangst werde vielleicht erst dann abnehmen, wenn
die Schweiz einen massiven Blackout der Stromversorgung erleben werde. Dieser
könnte für viele Menschen tödlich sein. Die Glarner Klimajugend hatte einen
guten Riecher, als sie dem Referenten Prof. Dr. Thomas Stocker und den vier
wichtigsten Glarner-Politikern zum Schluss einer gelungenen Grossveranstaltung (s.
Bild) in der Aula der Kantonsschule Glarus „Globis Reise in die Energiezukunft“
schenkten. Darin wird auch Kernenergie erklärt. Es war ein Hinweis mit
Augenzwinkern, dass die spröden und schwer verdaulichen Monster-Klimaberichte
der IPCC wenig nützen, wenn sie nicht auf Laienstufe heruntergebrochen werden.
Auch ich habe sie kaum gelesen und abgeschreckt abgespeichert. Von den jüngsten
Büchern von James Lovelock „The Vanishing Face of Gaia (2009), A Rough Ride to
the Future (2014) und Novacene (2019)“ mit ihren visionären Zukunftsentwürfen
und technologischen Abwehrmassnahmen, die vom erfahrenen Autor kritisch
bewertet werden, zieht mich indessen jede Seite in ihren Bann.
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