Montag, 2. September 2019

Mythos CO2

(Man beachte die im Text blau gekennzeichneten Hyperlinks zu den Quellen.)

Prof. Dr. Thomas Stocker spricht für die Glarner Klimajugend,
Film zu dieser Veranstaltung am 21. August 2019. (Bild Bruno Fricker)
Mythen erheben Anspruch auf Geltung für die von ihnen behauptete Wahrheit (Wikipedia). Viele Politiker sind sich heute einig, dass Kohlendioxid das ultimativ böse Gas ist. Dabei ist der Anteil CO2 in der Atmosphäre nur etwa 0.04 Vol%. Jedwede CO2-Quelle, sofern sie menschlicher Einflussnahme entspringt, muss sofort abgestellt werden, verlangen sie. Dabei beträgt der menschengemachte Anteil an CO2 nur 0.001 Vol%. Dieser Hunderttausendstel also macht unsere Hitzesommer (obgleich Temperaturmittelwerte massiv manipuliert wurden), sorgt für das Abtauen der Polkappen (jedoch das Meereis am Südpol wächst) und Gletscher (ausser einer in Grönland), hebt den Meeresspiegel an (ausser eine absinkende tektonische Platte ist Ursache) und sorgt für gewaltige Stürme und Trockenheit (Tornados scheinen in den USA seit 1950 abzunehmen).  Ergo: Null menschengemachtes CO2 muss in die Tat umgesetzt werden, andernfalls droht der Untergang unserer Zivilisation in einer nie da gewesenen globalen Klimakatastrophe. Ich übertreibe nicht, die Grünen denken so. Und sie wähnen sich damit auf sicherem wissenschaftlichem Grund, durch das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) und durch unsere Berner Forscher vom Oeschger Zentrum für Klimaforschung OCCR. Hier sind 250(!) akademische Mitarbeiter beschäftigt plus 10 Gastprofessoren aus aller Welt. Der Einfluss dieses Zentrums muss schon rein zahlenmässig übermächtig sein, zumal für die kommende Generation, und für die Welt, da diese Leute massgebende Sitze im IPCC innehaben. Ist dort die Brutstätte für den Mythos des bösen Gases? Nur die Treibhaus-Gemüsebauern können das CO2 noch schätzen; sie fluten ihre Treibhäuser mit der vierfachen Menge des atmosphärischen Kohlendioxids. Das scheint pflanzliches Wachstum wie Dünger zu stimulieren. Doch diese Treibhaus-Pflanzen sind unter Glas oder Folie. Nun schreiben die vielen Forscher im Kanon seit Jahren vom Treibhaus-Effekt am offenen Himmel, als würde da oben die Wärme der Sonne unter einem CO2-Deckel eingesammelt. Diese Mär, die schon in unseren Schulbüchern illustriert eingepaukt wurde, erwies sich als unhaltbar. Hier eine Zusammenfassung der IPCC-Vorhersagen im Laufe der Zeit:

Im Dunstkreis des voll ausgebildeten Mythos ist es jedoch schwierig, einzelnen Wortführern Volksverhetzung nachzuweisen.
Auch mein verehrter Physikprofessor, Jean-Pierre Blaser (†29.8.2019),  ärgert sich in seinem letzten grossen Vortrag an der ETH darüber. Es ist alles viel komplizierter. Irgendwo in den gewaltigen Klimaberichten, die das IPCC herausgibt, ist ganz versteckt richtig zu lesen:
In der Klimaforschung und -modellierung müssen wir erkennen, dass wir es mit einem gekoppelten nichtlinearen chaotischen System zu tun haben, und dass daher eine langfristige Vorhersage zukünftiger Klimazustände nicht möglich ist.
Also kann doch das hunderttausendstel Kohlendioxid, das wir in Kürze auf „netto.null“ herunterfahren wollen, nie und nimmer eine Garantie dafür sein, dass wir damit das Klima „retten“. Zumal viele Länder sich dafür nicht einspannen lassen, sondern Wohlstand anstreben wie bei uns. Und wenn wir 2050 tatsächlich unseren CO2-Ausstoss in der Schweiz nullen könnten, was würde das nützen? Landfläche Schweiz/Welt: Dieser Beitrag wäre höchstens 0.1 Promille von diesem notwendigen Hunderttausendstel. Und wie läuft es in Deutschland, wo demnächst auch das letzte klimaneutralen AKW abgeschaltet wird? Hier steht, mangels Wasserkraft, eine Kompensation mit Gas- und Kohlekraftwerken bevor, in einem Ausmass, dass man nach Auswegen sucht und sie in der Verpressung der Abgase in 800 Meter Tiefe zu finden hofft. Diese sogenannte CO2-Sequestrierung ist aber eine Langzeit-Bombe, da Flüchtig-Gas-Lager lecken, im Gegensatz zu den radioaktiven Tiefenlager für langlebige festgepackte Nuklide. Kurzum: Statt Abbau steht fast überall eine Zunahme des menschengemachten Kohlendioxids bevor! Das Klima lässt sich überhaupt nicht retten. Unser Einfluss ist viel zu schwach. Klimaschutz geht nicht. Das Klima ist weit komplexer als unsere Schulbuch-Modelle. Das Klima ist ein gewaltiges oberirdisches und marines System, das unerhörte Energiemengen aus Sonne und Erdkern umwälzt, und das sich durch Tipping-Points, Hysteresen und extrem lange Verweildauern von Jahrhunderten für CO2 in der Atmosphäre auszeichnet. Umweltschutz geht sehr wohl, dieser beginnt in unseren eigenen vier Wänden. Was folgt daraus? Kluge Anpassung ist das Gebot der Stunde, wenn wir in bedrohlicher Lage diesem tatsächlichen Klimawandel widerstehen wollen. Das aber braucht Energie, insbesondere viel elektrische Energie, wie sie unsere Stauseen und unsere AKWs seit Jahrzehnten zuverlässig an die Steckdose liefern, auch im Winter und nachts. Auf keinen Fall dürfen wir unsere bewährte Grundversorgung 70% Wasserkraft und 30% Kernenergie preisgeben! Aber wir haben uns politisch genau in diese Zwickmühle hinein manövriert, indem wir die Erneuerung unserer AKWs verboten haben (Energiegesetz vom 30. September 2016, Volksabstimmung vom 21. Mai 2017). Noch in diesem Herbst 2019 wird das AKW-Mühleberg ersatzlos abgeschaltet. In Art. 12a des Kernenergiegesetzes heisst es seither „Rahmenbewilligungen für die Erstellung von Kernkraftwerken dürfen nicht erteilt werden“. Leider wird es noch eine Weile dauern, bis die Mehrheit in unserem Land erkennen wird, dass wir hier den Ast absägen, auf welchem wir sitzen.
Ein Musterbeispiel, wie der menschliche Einfluss auf das Klima als wissenschaftliche Tatsache hochgepokert wird, lieferte Raphael Neukom vom Oeschger Zentrum kürzlich in NATURE: sein Artikel „No evidence for globally coherent warm and cold periods over the preindustrial Common Era“. Diese Studie hat es schlagartig in die populäre Weltpresse und in die Schweizer Haupt-Tagesschau geschafft. Sie wird dort meist umgekehrt kolportiert: „Nur in der industriellen Epoche hat sich das Klima weltweit kohärent erwärmt.“ Hohe Kohärenz wäre in der Tat eine starke Eigenschaft, die zwingend auf eine gemeinsame Ursache hinweist. Sie ist unabhängig von der Stärke der Temperaturzunahme; dass diese überall gemeinsam verläuft, ist im Kern die spektakuläre neue Botschaft. Das hat vorher noch niemand auf den Punkt gebracht. Ich kenne die numerische Kohärenzfunktion von ihrer Anwendung in der Epilepsie- und Schlafforschung gut. Dort findet man damit den gemeinsamen Pacemaker, von welchem sich die Erregung ausbreitet. Das Hirn ist in seiner Komplexität durchaus vergleichbar mit der irdischen Atmosphäre. Wäre ja toll, dachte ich, wenn man das globalen Klimanetz (5x5-Winkelgrad-Raumraster in 51 Jahren Zeitepochen) mit der Kohärenzfunktion räumlich-zeitlich auf einen gemeinsamen Pacemaker hin untersuchen könnte, mit und ohne anthropogenen Einfluss. Ich kaufte den Artikel bei NATURE und war sogleich enttäuscht. Da steht noch im Textblock auf der ersten Seite versteckt in Klammer, dass nicht die mathematische Kohärenzfunktion, sondern ein trivialer Kohärenzbegriff gemeint ist, dem jedwede Beliebigkeit anhaftet! Die Beliebigkeit zeigt sich in der Vielfalt zusammengewürfelter statistischer Methoden für den Nachweis dieser prä-industriellen Nicht-Kohärenz. Ganz am Schluss der Studie kommt noch als Amen das Bekenntnis, dass doch nur der Mensch und seine Industrie dieser gemeinsame Pacemaker sein könne. Da ist keine Spur von selbstkritischer Diskussion, welche gemeinsame Ursache denn noch in Betracht käme, um den Temperatursprung in der industriellen Epoche zu erklären. Ein zeitliches Zusammentreffen ist noch lange keine Ursache. Korrelation und Kausalität sind nicht dasselbe! Es ist jedoch klar, dass diese Autoren von A bis Z nur auf diesen spektakulären "Beweis der anthropogenen Ursache" hin gearbeitet haben, und die PR-Maschine des Oeschger-Zentrums kann diese Resultate lukrativ für sich verbuchen. U.a. mit diesem publizistischen Wirtshaus-Schild-Trick „Kohärenz“, bei dem jede(r) Naturwissenschafter(in) erwacht und hinschaut, alimentiert sich das Oeschger-Zentrum, mit seinen 250 wissenschaftliche Mitarbeitern (und 10 Gastprofessoren). Ich bin kein Klimaskeptiker und sehe den Wandel des Klimas auch. Aber ich bin zutiefst unsicher, was ich von der gegenwärtigen klimawissenschaftspolitischen Propaganda der Schweiz noch halten soll, denn die wichtigste klimapolitische Staatsaufgabe, genug elektrische Band-Energie im Land zu haben, bleibt aussen vor. Man will das heisse Eisen AKW einfach nicht anpacken.
So kam es, dass noch ein Mythos – Atomangst – die Klimadiskussion höchst irrational befeuert, in unserem Land, genauso wie in Deutschland. Die damalige Bundesrätin Leuthard ist nach Fukushima leider in diese Falle getappt. Erstaunlicherweise will niemand wahrhaben, dass im Westen durch den Betrieb von Atomkraftwerken noch niemand zu Tode verstrahlt wurde. Mehr als sieben Jahre nach der Katastrophe in Fukushima hat Japan einen einzigen Strahlentoten offiziell bestätigt. Etwa 18‘500 Menschen starben oder verschwanden aber im Erdbeben und im Tsunami. Im krassen Gegensatz dazu haben die Betreiber von Kohlekraftwerken durch Luftverschmutzung schon viele Tausende Tote auf dem Gewissen. Radioaktive Kohlekraftwerke notabene, die alle abgestellt werden müssten, wenn sie der Nukleargesetzgebung unterstünden. Doch diese gilt nur für Kernkraftwerke. Der unabhängige Chemiker, Mediziner und Biophysiker James Lovelock begründete 1979 mit seinem Buch „Gaia: A new Look on Life and Earth“ die grüne Bewegung. Heute stösst er die Grünen vor den Kopf, indem er bereits in drei Büchern feststellt, nur durch die Nutzung von Atomenergie könnten die Menschen sich vor der gefährlichen Unbill des Klimas retten.
Einen Mythos zu dekonstruieren und gegen den anderen auszuspielen, scheint das Gebot der Stunde zu sein. Wir müssen die Atomangst überwinden, um den Klimaschwankungen zu widerstehen. In China geht in diesem Jahr ein wirklich eigensicherer Uranreaktor vom Typ HTR-PM in Betrieb. Der chinesische Chef dieses Projekts hat die Grundlagen dafür als Postdoc in Jülich-D gelernt. Ähnliche Beispiele gibt es auch im PSI, wo die erfahrenen Experten in den Ruhestand gehen und ausschliesslich Chinesen mit diesem Wissen nach China gehen, in das führende staatliche Institut für Kernenergie. Sogar Schweizer Experten zeigen sich eigenartig mutlos und sprechen von einer „Sauerei“, wenn es um die Trennung von radioaktivem Müll geht, wo unter schnellem Neutronenbeschuss langlebige Nuklide in relativ kurzlebige umgewandelt würden. Das Lagerproblem würde sich durch diese Transmutation deutlich entschärfen, da Endlager nur noch auf einige Hundert Jahre ausgelegt werden müssten. Die „Sauerei“ scheint den Chinesen weniger Kopfzerbrechen zu bereiten, denn sie haben einen neuartigen chemischen Weg gefunden, um die betreffenden Isotope sauber zu trennen. Man spricht von einem Durchbruch und wird die Technologie in den Brennstoffzyklus modernster Reaktoren einbauen, wodurch sich auch deren Abfallmenge massiv verkleinert. In der Schweiz nimmt das niemand zur Kenntnis. Über neue Atomkraftwerk-Technologie zu sprechen ist in der Öffentlichkeit tabu. Bei ProClim, dem Forum für Klimawandel, das zwischen Politik und Wissenschaft in der Schweiz vermittelt, kommt der Begriff Kernenergie überhaupt nicht mehr vor.
Lässt sich unser Handeln in der Klimawende wissenschaftlich fundieren? Zumindest wird es in der Schweiz mit grossem Aufwand versucht. Es ist zu hoffen, dass dies bei uns die richtigen Früchte trägt. Wissenschaft ist nur, was sich falsifizieren lässt. Werden die Events jedoch zu einer endlosen Serie selbstbestätigender Verkündigungen immer gleicher Ideen einer Handvoll Super-Meinungsmachern unter dem Applaus grüner Politiker, die nach „Massnahmen“ rufen, aber ausser Flugticketzuschlag und Benzinabgabe keine Ideen haben, dann ist Vorsicht geboten. Leider werden erst unsere Urenkel dereinst genau wissen, ob die heutigen Mythen CO2 und Atomangst Hand und Fuss hatten. Die Klimaforscher haben ja nur ihre programmierten Computerspiele, virtuelle Modelle, mit denen sie die Zukunft antizipieren und die Politik auf Trab bringen. Mit dem Treibhauseffekt durch Kohlendioxid lässt sich die Erde mit der Bestätigung Zeit, viel Zeit! Und ein sehr erfahrener Physiker sagte mir kürzlich, die irrationale Atomangst werde vielleicht erst dann abnehmen, wenn die Schweiz einen massiven Blackout der Stromversorgung erleben werde. Dieser könnte für viele Menschen tödlich sein. Die Glarner Klimajugend hatte einen guten Riecher, als sie dem Referenten Prof. Dr. Thomas Stocker und den vier wichtigsten Glarner-Politikern zum Schluss einer gelungenen Grossveranstaltung (s. Bild) in der Aula der Kantonsschule Glarus „Globis Reise in die Energiezukunft“ schenkten. Darin wird auch Kernenergie erklärt. Es war ein Hinweis mit Augenzwinkern, dass die spröden und schwer verdaulichen Monster-Klimaberichte der IPCC wenig nützen, wenn sie nicht auf Laienstufe heruntergebrochen werden. Auch ich habe sie kaum gelesen und abgeschreckt abgespeichert. Von den jüngsten Büchern von James Lovelock „The Vanishing Face of Gaia (2009), A Rough Ride to the Future (2014) und Novacene (2019)“ mit ihren visionären Zukunftsentwürfen und technologischen Abwehrmassnahmen, die vom erfahrenen Autor kritisch bewertet werden, zieht mich indessen jede Seite in ihren Bann.
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